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Die vom Coronavirus auferlegte Quarantäne ordnet die Werte neu

Foto: Archiv

Am 13. März hat Bulgarien wegen der Gefahr einer raschen Ausbreitung des Coronavirus den Notstand eingeführt. Einige Arbeitgeber haben, noch bevor das Ministerium für Arbeit und Soziales die Empfehlung erteilte, den Arbeitsrhythmus neu festgelegt und bei Tätigkeiten, die es erlauben, das Arbeiten von Zuhause erlaubt. Die Herausforderung, zu Hause zu arbeiten, wurde in der heutigen digitalen Welt von Vielen als logisch und machbar akzeptiert.

Die Bulgaren denken an sich kreativ, sie sind so veranlagt“, sagte in einem Interview für den BNR die Psychotherapeutin Dr. Irina Milina. „Wir sind erfinderisch und kombinativ und so wird in einer solchen Situation von uns erwartet, dass wir uns etwas einfallen lassen, um den Menschen zu helfen. Was die soziale Isolation betrifft, sollten wir nicht damit spekulieren, sondern den Tag so gestalten, dass alle, die Zuhause sind, daran teilhaben.“

Die großen Gewinner in dieser Situation sind die Kinder, die sich jetzt einer größeren Aufmerksamkeit seitens ihrer Eltern erfreuen.

Die Werte zum Wohle der Familie neu zu ordnen, schien bis vor kurzem eine unerreichbare Utopie zu sein. Jetzt jedoch ist das glückliche Lächeln von Kindern, die mehr Kontakt zu ihren Eltern haben, bereits Tatsache. So manche Eltern erkennen die Vorteile der auferlegten Selbstisolation, die es erlaubt, die Prioritäten zum Wohle der Familie neu zu bestimmen.

„Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob wir nicht zum Wohle der Kinder, die unsere Zukunft sind, ganzjährig unter Quarantäne sein sollten“, scherzt die Psychologin. „Die Zeit, die wir mit den Kindern verbringen, bleibt unvergesslich. Nachdem der Spuk vorbei ist, werden wir dankbar sein. Bleibt stark, denn auch das wird vorbeigehen! Danach werden wir den Kindern dankbar sein und sie uns auch.

Allen, die keine Familie haben und allein in ihren leeren Wohnungen ausharren müssen, sagt Dr. Milina, dass es gar nicht so schlecht ist, inne zu halten und die Stille zu genießen.

“Wir sollten uns nach innen kehren und darüber nachdenken, wie wir noch bessere Menschen werden können. Das ist viel besser als Facebook und die ständige Suche nach Informationen, die uns anspannen. Wir sollten besser darüber nachdenken, wie wir unseren Mitmenschen helfen und glücklich machen können.“

Die meisten Bulgaren, so wie die anderen Menschen in der Welt auch, die wegen der Quarantäne zwischen den eigenen vier Wänden gefangen sind, versuchen, positiv auf die Situation zu blicken. In den sozialen Netzwerken werden die Vorteile dieses erzwungenen Atemzugs und die Möglichkeit für einen Neustarts der Weltanschauung miteinander geteilt.

Die letzten Allüren des Winters und die Witterungsverhältnisse tragen dazu bei, dass es den Bulgaren leichter fällt, zu Hause zu bleiben. Sogar die Natur will uns zeigen, dass es Zeit ist, eine Pause einzulegen - zu Hause zu bleiben, einen guten Film oder ein gutes Buch zu genießen, einen virtuellen Streifzug durch ein Museum zu unternehmen, oder uns eine Opernaufführung anzusehen.

Was den Arbeitsprozess anbelangt, so nimmt auch er eine andere Richtung.

Vor der Ausbreitung der Pandemie waren viele Arbeitgeber nicht geneigt, ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen, aber dieses "unerwartete Experiment" hat inzwischen viele Befürworter gewonnen, vor allem unter Eltern, die arbeiten wollten, aber niemanden haben, der auf ihre Kinder aufpasst.

Einige Arbeitgeber ziehen es sogar in Erwägung, diese flexible Arbeitsweise dauerhaft beizubehalten. Das ist ein Schritt in Richtung der Reform, auf die so lange gewartet wird und die die echten Prioritäten im Leben neu ordnen wird.

Vorteile gibt es für alle Beteiligten. Die Arbeitgeber sparen Kosten für Strom, Heizung, diversen Dienstleistungen für die Unterhaltung der Arbeitsplätze. Die Angestellten entdecken die Freiheit, die mit diesem neuen Arbeitsrhythmus zusammenhängt, ohne Zeitverlust für den Weg zur Arbeit und zurück nach Hause.

Ob das vielleicht die Zukunft unseres Arbeitsalltags sein wird? Bleibt abzuwarten.

Übersetzung: Georgetta Janewa

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